|
Seite 1 von 3 
Der Grappa - Geschichte
Grappa - [italienisch, Traube]. Tresterbranntwein mit 40-50 Volumen-% Alkohol, besonders in Norditalien hergestellt. Grappa ist nur und ausschliesslich eine italienische Spirituose, die durch direkte Destillation des Tresters gewonnen wird.
Der Triumphzug der Grappa als Edelspirituose fand erst im letzten Jahrhundert statt. Zusammen mit der italienischen Küche, einer «Cucina», die in den sechziger und siebziger Jahren weit über die europäischen Grenzen hinaus hohe kulinarische Wellen schlug, wandelte sich die Grappa vom simplen Bauernschnaps zur edlen Spirituose und gilt heute als genussreicher, unverzichtbarer Bestandteil einer niveauvollen, vor allem italienischen Ess- und Trinkkultur. Die Grappa ist jedoch viel älter als ihre Erfolgsgeschichte aus unseren Tagen. Obwohl ihre Anfänge nicht genau datiert sind, lassen sich die Wurzeln bis in das 5. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals sollen Burgunder die Kunst der Destillation im Friaul eingeführt haben. Andere historischen Quellen meinen, die Grappa sei erst viel später auf Sizilien entstanden: Im 9. Jahrhundert hielten Araber die Insel besetzt und es waren sie, die die Technik der Destillation erfunden und in italienische und europäische Gegenden gebracht hatten. Bis in das 15. Jahrhundert war ein reger Handel mit Grappa, weit über die italienischen Grenzen hinaus, entstanden. Die Herstellung war jedoch inzwischen reglementiert und konzessioniert worden. Auf die Destillate aus Wein und aus Trester wurden Zölle erhoben. Das mögen die Gründe gewesen sein, weshalb der Schmuggel mit Grappa weit verbreitet war. Um diesen Gaunereien ein Ende zu bereiten, wurde den meistens armen und abhängigen Bauern erlaubt, Grappa für den Eigenbedarf zu brennen. Es waren aber dann gerade diese Bauern und Winzer, die ihre Grappa-Tradition von Generation zu Generation weitergaben, das Brennhandwerk bis in unsere Zeit ständig verfeinerten und dafür sorgten, dass sich die Grappa vom Armeleuteschnaps zu einer Gaumen-Diva, zu einer Edelspirituose mit einer unverwechselbaren Geschmacksfülle wandelte.
La Grappa - Schmeichler mit Charakter Nach dem Essen, zum Espresso oder als «Caffè corretto»: Grappa ist das hochprozentige Nationalgetränk Italiens. Brennen darf er nicht, sondern soll warm, weich und fruchtig schmecken.
Eine italienische Erfindung Den ersten Grappa gab es angeblich schon im fünften Jahrhundert. Burgunder brachten die Kunst des Destillierens in das Friaul. Nach wie vor werden die besten Grappas im Norden Italiens produziert – neben dem Friaul im Veneto, Piemont und Aosta-Tal.
Ohne Wein kein Grappa Als Tresterbrand wird der Grappa ausschliesslich aus den Traubenresten der Weinherstellung gewonnen, bevorzugt aus den sortenreinen Überbleibseln weisser Trauben. Destilliert wird direkt ohne Zugabe von Traubenmost oder Wein, wodurch die ganze Geschmacksfülle des «Rohstoffs» erhalten bleibt. Als Faustregel gilt: Je frischer die Zutaten, desto intensiver das Aroma.
Eine süsse Sache Zucker sorgt dafür, dass der Grappa bei 40 bis 50 Volumenprozent geschmeidig die Kehle herabrinnt. 20 Gramm Zucker pro Liter Alkohol dürfen beigemengt werden. Ein guter Grappa hat höchstens 14 Gramm Zucker pro Liter.
Vielfältige Aromen In Holzfässern gewinnt der Grappa sein besonderes Aroma. Das Spektrum reicht von klaren Holztönen von Esche bis Eiche. Maximal drei Prozent Aromastoffe sind im Spiel, wenn der Hochprozenter mit fruchtiger Note von Apfel und Kirsche bis Kastanie, Wacholder und Maulbeere daherkommt.
Neue Trends Einst gab es den Tresterbrand nur aus den traditionellen Trauben der Region. Heutzutage wird viel experimentiert, das Spektrum reicht von roten Trauben bis Rosmarin. Puristen schwören jedoch auf den sortenreinen Klassiker ohne aromatische Zusätze.
Lagerplatz überflüssig Grappa wird in der Regel jung getrunken. Was länger als ein halbes Jahr im Holzfass lagerte, trägt die Bezeichnung «invecchiata», «stravecchia» oder «riserva».
|